Filmgespräch

Los santos inocentes - Die heiligen Narren (ausgefallen)


Spanien 1984
Regie: Mario Camus

Das ländliche Kastilien und die angrenzende Extremadura sind kein Bauernparadies. Das Land gehört Großgrundbesitzern, die an göttliche Ordnungen glauben, und an starke Männer, die sie verteidigen. Noch lange nach Francos Tod lebten in bitterer Armut. Immer wieder kam es zu Konflikten, die in blutigen Aufständen und meist noch blutigeren Strafaktionen mündeten. Diese Dialektik der Gewalt, die Werteordnungen, die ihr zugrunde liegen, die Fragen von Schuld und Sühne, finden über das literarische Leitmotiv der „heiligen Narren“ Eingang in die spanische Literatur- und Filmgeschichte. Es ist nicht verwunderlich, dass 1981, fünf Jahre nach dem Ende der Franco-Diktatur, ein Roman erschien, der nach diesem Leitmotiv benannt wurde. Geschrieben hat ihn Miguel Delibes. Der Kastilier gilt in Spanien als moralische Instanz, weil er eine Brücke zwischen der literarischen und der bäuerlichen Welt schlug. Er schrieb, wie „seine kastilischen Bauern redeten“: bilderreich und sehr pointiert. Schon drei Jahre später erschien der Film zum Buch. Inszeniert wurde er von Mario Camus, der gerade den Goldenen Bären für die Literaturverfilmung „Der Bienenkorb“ gewonnen hatte. Seine beiden Hauptdarsteller in „Los santos inocentes“ gewannen die Goldene Palme. Der erfolgreiche Brückenschlag zwischen Literatur und Film lieferte der zivilgesellschaftlichen Erinnerungspolitik in Zeiten des „Schweigepaktes“ eine echte Steilvorlage.



2021809
Kursgebühr:
6,00
(nur Abendkasse)