Filmgespräch

Jagdszenen aus Niederbayern


Deutschland 1968
Regie: Peter Fleischmann
 
Im Frühjahr 1962 wurde auf den Oberhausener Kurzfilmtage der Junge Deutsche Film aus der Taufe gehoben. Das Oberhausener Manifest stellte Opas Kino den Totenschein aus. Gleichzeitig enthielt es weitreichende Forderungen zur Umgestaltung der westdeutschen Filmlandschaft. Die jungen Cineasten wurden gehört, viele ihrer Forderungen im Laufe der Jahre erfüllt.
Der deutsche Film veränderte sich grundlegend. Vor diesem Hintergrund erstaunte es, dass das einzige originär deutsch(sprachig)e Filmgenre, der Heimatfilm, die epochale Wende überlebte. Das Genre, das so viel vehemente und in aller Regel auch berechtigte Kritik auf sich zog, wurde radikal umgedeutet, wie der Heimat-Begriff selbst. Peter Fleischmanns Film war der erste kritische Heimat-Film. Er spielte in Reinöd, einem niederbayrischen Dorf, in dem das Idyll der 1950er Jahre von Gastarbeitern, einer Dorfhure, einem Homosexuellen und gewaltbereiten Alltagsfaschist(inn)en gestört wird.
Eine „schwarze Perle“ des deutschen Films nannte ihn die renommierte französische Zeitschrift „Télérama“. Den Ritterschlag erhielt der Film von der legendären Filmzeitschrift „Cahiers du cinéma“: „Jagdszenen aus Niederbayern ist vielleicht der erste wirklich deutsche Film seit Kriegsende, nicht weil es ein Film über Deutschland wäre oder über typisch deutsche Verhaltensweisen: Rassismus, Faschismus, irrationale Ausgrenzungen gibt es überall; sondern weil er tief verwurzelt ist in seinem Land, seiner Kultur, seinem Alltag.“ 1970 ging der Film als deutscher Beitrag ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachlichen Film und ging leer aus, was allerdings nicht gegen den systemsprengenden Film spricht.
 
Filmgespräch in Anwesenheit des Regisseurs

In Kooperation mit: City-Kirche Ludwigsburg, Evangelische Studierendengemeinde, katholische Hochschulgemeinde



1 Abend, 14.06.2021
Montag, 19:00 - 22:00 Uhr
1 Termin(e)
Peter Fleischmann
2111808
Kulturzentrum, Wilhelmstraße 9/1, 71638 Ludwigsburg, kleiner Saal, Hochparterre
Gebühr:
6,00