Amedeo Modigliani – Außenseiter oder „superuomo“? (ausgefallen)

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Vortrag anlässlich der Ausstellung in der Staatsgalerie „Modigliani – Moderne Blicke“
Modigliani lässt sich keiner modernen Kunstströmung zuordnen. Seine Werke vereinen expressionistische, kubistische und symbolistische Elemente, zeigen jedoch ebenso einen Rückbezug zur Antike, zur Renaissance und zum Manierismus, die er aus seiner Studienzeit in Italien kannte. Seine Berufung zur Kunst erlebte der zeitlebens von Lungenkrankheiten heimgesuchte Italiener in einem Fiebertraum. Als er 1906 schließlich nach Paris ging, wohnte er am Montmartre im Umfeld von Derain, Picasso, Utrillo und Soutine und nahm trotz seiner gesundheitlichen Probleme am ausschweifenden Leben der Kunstszene teil. Der deutsche Maler Ludwig Meidner gehörte zu seinen ersten Freunden und äußerte: „Unser Modigliani … war ein … hoch begabter Vertreter der Bohème vom Montmartre; wahrscheinlich sogar der letzte echte Bohémien.“
Neben zahlreichen Porträts der Avantgardevertreter von Paris konzentrierte er sich auf die Darstellung des weiblichen nackten Körpers. Diese Akte wurden auf der einen Seite positiv als „faszinierend-sinnlich“ bezeichnet, andererseits aber auch als „kalt-abstoßend“ empfunden. Modigliani selbst hat sich nur selten zu seiner Kunst geäußert. Er pflegte das Bild eines Außenseiters. Dabei sah er sich in seinem Selbstverständnis als Künstler als „superuomo“ (deutsch: „Übermensch“) und Auserwählter der Gesellschaft. 1920 mit nur 35 Jahren ist Modigliani in Paris verstorben.
Ulla Groha studierte Kunstgeschichte, Publizistik und Deutsche Volkskunde in Mainz und Dijon. Seit 1998 ist sie freiberufliche Kunsthistorikerin und Museumspädagogin bei verschiedenen Bildungseinrichtungen der Region und der Staatsgalerie Stuttgart.



31.01.2024 (1-mal) 09:30 - 11:30 Uhr
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Kursgebühr: 16,00 € (nicht rabattierbar)