Die drei großen Epen der Antike Eine neue Odyssee-Verfilmung vom bekannten Regisseur Christopher Nolan mit prominenter Starbesetzung startete im Juli 2026 in den Kinos. Warum haben Menschen aller Zeiten die über zwei Jahrtausende alten Werke Homers immer wieder gelesen und in den letzten Jahrzehnten immer wieder verfilmt? Auch wenn zwischen den homerischen Epen und der Aeneis Vergils ca. acht Jahrhunderte liegen, so verbindet sie nicht nur die äußere hexametrische Form, sondern alle drei Epen schöpfen aus dem weit verzweigten troischen Sagenkreis – und dieser hat offensichtlich bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Im Kampf um Troja zeigt die Ilias nicht nur Taten großer Helden, sondern auch die tragische Verstrickung dieser Männer und deren Frauen in ein Schicksal, dem Menschen im Krieg ausgeliefert sind. Die Odyssee erzählt von einem anderen Helden – ob er wirklich „Held“ genannt werden darf? Seefahrerabenteuer, Verantwortung für die Gefährten, Liebe und Abschiede sowie Sehnsucht nach Heimat sind Themen einer Epoche, die beginnt, die Welt zu erkunden. In der Tradition der griechischen Epen stehend erscheint der Aeneas Vergils als Held, der nicht sein eigenes Leben leben darf, sondern seinen Pflichten folgen muss. Angesichts zahlreicher Kriege unserer Zeit ein hochaktuelles Thema. Dr. Hubert Müller war Lehrer für Latein und Griechisch, Schulleiter an Gymnasien und an den Deutschen Auslandsschulen in Alexandria und Genua.